„Bezirksbus“: Kleinbusse auf Abruf füllen Öffi-Netzlücken
Von "18er Klimateam"
Zum Projekt

Kurzfassung:
Der Bezirksbus ist ein neues Mikro-Öffi-Angebot für Währing. Flexible (idealerweise elektrisch angetriebene) Kleinbusse, die nur nach Bestellung fahren, sind dort unterwegs, wo es aufgrund von Öffi-Netzlücken sinnvoll ist. So werden auch der Hang des Schafbergs, das Cottage, äußere Teile von Pötzleinsdorf und das Gebiet zwischen Pötzleinsdorfer und Döblinger Friedhof an Öffis angebunden, ohne längere steigungsreiche Fußwege zurücklegen zu müssen, und neue Querverbindungen geschaffen. Mit Umsteigepunkten ist das Angebot auf das bestehende Öffi-Liniennetz abgestimmt. Die vermiedenen Autofahrten haben eine positive Klimawirkung auf Währing und über die Bezirksgrenzen hinaus.
Langfassung:
Der Handlungsbedarf
Das Erreichen der Klimaziele und die hierfür nötige Senkung des Energieaufwands im Verkehr erfordert, wie auch im Stadtentwicklungsplan vorgesehen, eine Reduktion des motorisierten Individualverkehrs. Hierfür sind aber in Teilen von Währing (und auch Döbling) aufgrund von Kriterien wie Topographie (große Steigungen) und Siedlungsstruktur (mancherorts fehlende direkte Wege) andere Maßnahmen notwendig als in den flacheren Innenbezirken.
In Währing gibt es mit Hängen des Schafbergs, Teilen des Cottages, äußeren Teilen von Pötzleinsdorf und dem Windmühlhöhengebiet zwischen Pötzleinsdorfer und Döblinger Friedhof auch heute noch Gebiete, die außerhalb eines komfortabel nutzbaren Öffi-Einzugsbereichs liegen (siehe Anhang) und an mehreren Stellen fehlen auch Öffi-Querverbindungen innerhalb von Währing und Richtung Döbling. Dies begünstigt die Autonutzung und erschwert unabhängige autofreie Mobilität.
Die Idee
Für diese Gebiete bietet sich ein neues sogenanntes flächenbedienendes Mikro-Öffi-Angebot, das zum Beispiel als Bezirksbus bezeichnet werden kann, an.
Dieser Bezirksbus wird mit flexiblen (idealerweise elektrisch angetriebenen) Kleinbussen betrieben, die nur nach Bestellung unterwegs sind und sowohl per Anruf als auch per App gerufen werden können. Er ergänzt die bestehenden Öffis dort, wo es aufgrund von Netzlücken sinnvoll ist, harmoniert mit den Öffi-Tarifen und ist mit Umsteigepunkten auf das bestehende Öffi-Liniennetz abgestimmt. Die bedienten Straßen sind fix definiert.
Wirkung auf Klima & Nutzen für Bevölkerung:
Der Nutzen des Angebots besteht in der Vermeidung von Autofahrten in Währing und darüber hinaus durch Verknüpfung mit Öffis und Bündelung ähnlicher Fahrten sowie in der Verbesserung der Daseinsvorsorge für mehrere Bezirksteile.
Durch die aufgrund eingangs genannter Faktoren stark eingeschränkte Öffi-Erreichbarkeit mancher Teile Währings sowie verschiedener fehlender Öffi-Querverbindungen entstehen Autofahrten, die manchmal weit über die Bezirksgrenzen hinaus durch die ganze Stadt führen. Der Bezirksbus ermöglicht in den betroffenen Gebieten, das Grundbedürfnis nach attraktiver, barrierefreier und leistbarer Mobilität zu stillen, ohne ein Auto zu benützen. Da er mit bestehenden Öffis durch Umsteigepunkte verknüpft ist, werden aus den betroffenen Bezirksteilen auch Fahrten in andere Bezirke plötzlich mit Öffis leicht bewältigbar. Der Bezirksbus fährt hierfür, auch wenn Leerfahrten anfallen, in manchen Fällen eine deutlich kürzere Strecke als das Auto gefahren wäre, da er nur bis zur nächsten Öffi-Haltestelle fahren muss, und wirkt somit durch die Vermeidung von Autofahrten auch auf andere Teile Wiens hinaus. Eine zusätzliche Reduktion von Fahrten entsteht dadurch, dass Fahrtwünsche zu ähnlichen Zeiten in ähnlicher Richtung gebündelt durchgeführt werden können. Werden am Bezirksbus elektrisch betriebene Fahrzeuge (mit Grünstrom) eingesetzt, ist die Reduktion des Treibhausgasausstoßes noch höher. Abgesehen von der Klimawirkung wird außerdem die Daseinsvorsorge, etwa für Menschen ohne Auto oder Personen, die sich beim Autofahren nicht mehr sicher fühlen, stark verbessert.
Wie die Stadt Wien hierfür zuständig wäre:
Da das Koalitionsprogramm der aktuellen Wiener Stadtregierung eine Ergänzung der bestehenden Wiener-Linien-Öffis durch „ein Angebot an Minibussen, Ruftaxis und Mikro-ÖPNV “ und „neue Kooperationen“ vorsieht, ist eine Finanzierung direkt durch die Stadt Wien vorstellbar, diese kann dann anschließend für Weiterentwicklung und Betrieb auch andere Partner beauftragen.
Graz hat inzwischen ein derartiges Sammeltaxi für Stadtrandgebiete eingeführt, das nicht von den städtischen Verkehrsbetrieben, sondern von einem privaten Unternehmen in Kooperation mit Taxiunternehmen im Auftrag der Stadt organisiert wird.
Seit dem Vorjahr läuft zudem in Wien im 23. Bezirk unter den Namen "WienMobil Hüpfer" ein derartiges Pilotprojekt der Wiener Linien, das vom Grundprinzip her auch für die genannten Gebiete in Währing geeignet sein könnte.
Räumliche Eingrenzung:
Das Konzept sieht ein Betriebsgebiet vor, das Teile von Währing und Döbling enthält, könnte aber auch zunächst rein auf die Teile in Währing fokussieren.
Geschichte der Idee und Anhang:
Die Idee wurde von mir im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der TU Wien vor mehreren Jahren skizziert und im Zuge dieser auch mit einer Befragung beleuchtet (Zusendung der Arbeit auf Anfrage), ist aber auch heute konzeptuell großteils unverändert aktuell. Die Grafiken im beiligenden Plakat sind der Arbeit entnommen und wurden leicht adaptiert (außerdem wurde Döbling großteils weggeschnitten, da der Fokus hier auf Währing liegt). Orange dargestellt sind vom Bezirksbus bediente Straßenzüge, an denen überall gehalten werden kann. Kreisförmig sind Stellen markiert, wo zwischen Bezirksbus und bestehenden Öffis umgestiegen werden kann.
