klimagerecht statt autogerecht
Mitglied seit 30. Mai 2022
Als Leitbild längst aus der Zeit gefallen, bestimmt sie doch noch unser Straßenbild: die autogerechte Stadt. “Das Leben setzt automobile Subjekte voraus”, hieß es 1959 im gleichnamigen Buch und das sieht man auch heute noch unserer Stadt an. Selbst unsere sogenannten Wohnstraßen schauen aus, als ob darin Fahrzeuge wohnen, anstatt Menschen.
Jede Straße in Wien ist — die Genehmigung dafür vorausgesetzt — auch mit dem Auto zu befahren. Die Oberfläche unserer Wahl ist eine versiegelte, also eine, ohne natürlichen Boden, die kein Wasser aufnehmen und keine Feuchtigkeit speichern kann, in der nichts wächst und keine Organismen leben — toter Boden. Auch dieser hat uns die Hitzeinseln in Wien beschert. Es gibt aber viele Straßen, die gar nicht befahren werden müssen — der Verkehr rundherum fließt trotzdem weiter. Die klimarelevante Maßnahme für diese Straßen wäre also nicht nur das Entfernen einzelner Parkplätze für neue Baumscheiben, sondern das Entsiegeln des Fahrbereiches. Damit gewinnen wir vielerorts mehr (Aufenthaltsraum) als wir einbüßen (Verkehrsfläche): Wir verabschieden uns von der autogerechten Stadt und begrüßen die klimagerechte Stadt, in der wir leben wollen.








