
Efa Doringer•vor 4 Jahren Mobile, kühle Orte gegen die Hitze – dort wo sie gebraucht werdenVielen Grätzln in Ottakring fehlen schnell erreichbare, kühle und grüne Orte. Um die Belastungen durch die Klimakrise zu reduzieren, braucht es sinnvolle Lösungen im unmittelbaren Wohnumfeld. Gerade in dichtbebauten Gebieten, wo das Überwärmungsrisiko laut Klimaanalysekarte Wien sehr hoch ist, fehlt eine grün-blaue Infrastruktur, die eine Abkühlung bewirken könnte; es fehlen Orte mit Pflanzen, Wasser und Möglichkeiten zur Erholung. Wo der Platz knapp ist und die Nutzungsansprüche dicht, könnten begrünte Fließstrecken nach dem Prinzip eines Schanigartens einen Ausweg schaffen: sie kommen dort zum Einsatz, wo Bedarf besteht und werden als mobile Installation saisonal aufgebaut und dann wieder leicht zerlegt und abtransportiert werden.Ein neuartiger Freiraumtypus für Wien, der Identität stiftetDer Wiener SchaniBACH könnte ein neuartiger Freiraumtypus in Wien sein, der das Prinzip Grätzloase weiterdenkt. Zum Tragen kommt hier das Potenzial von fließendem Wasser und Bepflanzung, also einer urbanen Fließstrecke oder eines künstlichen Bachs, um die Umgebung zu kühlen. Die Idee ist, ein intelligentes, urbanes Fließgewässer zu installieren, das kompakt und effizient für ein besseres Stadtklima wie auch für mehr Lebensqualität in der Stadt Wirkung entfaltet. Anders als die meisten Stadtbäche, deren Wasser unterirdisch und auf schnellstem Wege durch die Stadt geleitet wird, gewinnt das Wasser im SchaniBACH an Zeit und damit auch sozial und mikroklimatisch an Wirkung. Es entsteht ein Naturerlebnis, ein Naherholungsraum und eine belebende Interaktion mit einem temporären Bachlauf für Groß und Klein. Der Bachlauf spendet Kühlung durch Schatten und Verdunstung und verringert – im Gegensatz zu Blech und Asphalt – den gefühlten Hitzestress der Bewohner*innen nachhaltig. Im Straßenraum entsteht ein Ort für Begegnung und Aktivitäten, der einlädt zum Bespielen, zum Ausruhen, zum Gärtnern, zum Nutzen. Darüberhinaus stiftet der SchaniBACH Identität, schafft Verbundenheit mit dem Grätzl und fördert das Umweltbewusstsein. Er verbessert nicht nur das Mikroklima, sondern verbindet Menschen in Zeiten der sozialen Isolation.Mehrwert schaffenDurch die Bespielung (etwa mit Veranstaltungen oder durch Kooperationen mit umliegenden Institutionen wie z.B. Jugendzentrum, etc.), die Einbindung der Bewohner*innen (in der Bepflanzung vgl. mit der Baumscheiben-Pat*innenschaften o.ä.) und die Nutzung als Vermittlungsort (Bewusstseinsbildung, Themenvermittlung in Bezug auf Klimaschutz und Klimaanpassung etc.) entsteht durch den SchaniBACH auch ein gemeinwesenorientierter Mehrwert.Zusätzlich kann die Installation für Untersuchungen hinsichtlich klimatologischer und sozialräumlicher Fragen genutzt werden. Mit diesen Erkenntnisse werden Prognosen über die Wirkungsweise von urbanen Fließgewässern als urbane grün-blaue Infrastruktur möglich und eine Grundlage für die Weiterentwicklung derartiger Bausteine für die Klimawandelanpassung kann geschaffen werden.Umsetzungsmöglichkeiten und VariantenZur möglichen Umsetzung gibt es bereits Überlegungen und konkrete Gedanken, die wir in einer Gruppe Gleichgesinnter und Expert*innen gemeinsam diskutieren. Der Freiraumtypus SchaniBACH besteht aus unterschiedlichen Elementen: einem kurzen Bachlauf-Abschnitt, Pflanzen und Sitz- oder Aufenthaltsmöglichkeiten, die zum Verweilen und zur Kommunikation mit anderen einladen. Die Umsetzung ist einfach und kosteneffizient. Standardisierte Elemente und der Einsatz konventioneller, wiederverwendbarer Baumodule wie z.B. Euro-Paletten gewährleisten einen raschen Auf- und Abbau bei gleichzeitiger Trennung und Wiederverwendung der eingesetzten Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft. So kann der Wiener SchaniBACH zu Beginn jeder neuen Saison an unterschiedlichen Orten in der Stadt wiedereröffnet werden.Damit sich der SchaniBACH flexibel an die räumlichen Angebote und Möglichkeiten im Straßenraum anpasst, sind unterschiedliche Module denkbar, die in der Breite ebenso wie in der Länge der Laufstrecke variieren können:
Der „Kleine Schani“ ist ein Auto breit und kommt mit der Breite eines Längsparkstreifens aus.
Der „mittlere Schani“ erlaubt mehr spielerischen Gestaltungsraum im Bauchlauf.
Der „große Schani“ ist zwei Autos breit und findet Platz in Nebenfahrbahnen oder auf kleinen Vorplätzen – beispielsweise vor dem Jugendzentrum in Alt Ottakring (Ottakringer Straße 200).
Der SchaniBACH macht als innovatives und begrüntes Stadt-Garten-Möbel das Leben in der Stadt noch nachhaltiger und besser. Erste Kooperations-Gespräche sind bereits auf Interesse gestoßen, wir würden uns jetzt sehr freuen, wenn wir als Teil des Wiener Klimateams unsere Idee zum Wiener SchaniBACH gemeinsam mit Stadt, Bezirk und Grätzlbewohner:innen in der Saison 2023 in Ottakring umsetzen könnten.Das SchaniBACH-Team