Susanne FV•vor 6 Monaten Sicherheit und Lebensqualität dürfen kein Privileg einzelner Grätzl auf der Wieden sein. Alle Menschen – ob am Naschmarkt oder am Gürtel, am Schloss Belvedere oder am Südtiroler Platz – haben das gleiche Recht auf lebenswerte, vor allem aber sichere öffentliche Räume, die es unseren Kindern ermöglichen, selbstständig und selbstbestimmt aufzuwachsen. Eine besondere Herausforderung für den 4. Bezirk ist seine einzigartige Lage unmittelbar vor dem größten Bahnhof Österreichs. Diese Situation bietet großes Potenzial im Hinblick auf zukunftsweisende Mobilität, bringt jedoch gleichzeitig soziale Herausforderungen mit sich, denen bislang nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Infolge dieser Vernachlässigung ist der Südtiroler Platz, obwohl vor rund zehn Jahren erhebliche öffentliche Mittel in seine Umgestaltung investiert wurden, heute zu einem Problemort der Wieden geworden, der auch das umliegende Grätzl zunehmend in Mitleidenschaft zieht.Anstatt den Südtiroler Platz im Zuge der damaligen Umgestaltung als repräsentatives Eingangstor zur Stadt Wien weiterzuentwickeln und damit einen nachhaltigen Mehrwert für den Bezirk zu schaffen, wurde er weitgehend sich selbst überlassen. Der Platz, der vor knapp zehn Jahren als öffentlicher Aufenthaltsraum für alle konzipiert wurde, wird heute von den Anrainer:innen weitgehend gemieden. Leider fehlt es allen politischen Fraktionen bislang an tragfähigen Strategien, um suchtkranke und alkoholabhängige Menschen langfristig wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Damit gehen leider immer wieder auch strafrechtliche Handlungen wie Dorgenkonsum und Drogenhandel einher. Die Situation stellt eine erhebliche Belastung für die Anrainer:innen dar – besonders für vulnerable Gruppen wie Kinder, Frauen und ältere Menschen.Wenn öffentliche Räume Orte der Begegnung, Teilhabe und des Miteinanders sein sollen, müssen sie in erster Linie sicher sein. Daher sind gezielte Maßnahmen besonders an Orten wie dem Südtiroler Platz dringend erforderlich. Die soziale Schere geht in Wien zunehmend auseinander und zeigt sich immer deutlicher auch im Stadtbild der Wieden.Zwar fallen sicherheitspolitische Aufgaben nicht in die Zuständigkeit der Bezirksvertretung, doch könnten auf Bezirksebene in Kooperation mit der Stadt Wien gezielt gestalterische Maßnahmen umgesetzt werden, die der Problematik entgegenwirken.Maßnahmen:Um der sozialen Problematik am Südtiroler Platz, die aus der Nähe zum Wiener Hauptbahnhof resultiert, wirksam entgegenzuwirken, kann der Platz langfristig nicht die Funktion eines Aufenthaltsortes erfüllen. Vielmehr muss er als sicherer, attraktiver Durchzugsraum gedacht, konzipiert und gestaltet werden.Maßnahme 1 – Wasserelemente: Anstelle der bestehenden Sitzgelegenheiten könnten Bodendüsen, Sprühnebel, Wasserspiele oder kleine Brunnen installiert werden, um den Platz bewusst von der Funktion eines Aufenthaltsortes wegzuführen und als attraktiven Durchzugsraum zu gestalten. Durchgehende Sitzgelegenheiten mit veralteter und zum Teil kaputter Holzbeplankung sollten entfernt und durch reduzierte, punktuelle Sitzgelegenheiten ersetzt werden.Maßnahme 2 – Bewegungselemente: Ergänzend wäre ein wegbegleitender Motorikpark am Rand der Wege denkbar, z. B. mit Balancierbalken und anderen kurzen, spielerischen Bewegungsangeboten.Maßnahme 3 – Naturelemente: Die Wiesenflächen, die von bestimmten Gruppierungen vor allem in den Sommermonaten als Aufenthaltsort genutzt werden, könnten durch robuste Staudenbeete, Ziergräser oder Bodendeckerpflanzen ersetzt werden, die weniger begehbar sind aber dennoch einen schönen Anblick bieten und gleichzeitig weniger pflegeintensiv sind als Wiesenflächen. Dies schafft einen Mehrwert für die Biodiversität und gleichzeitig einen attraktiven Grünraum.Diese gezielten Interventionen könnten erste Impulse setzen, um die Lebensqualität im Grätzl um den Südtiroler Platz zu verbessern. Gleichzeitig leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und zur Abkühlung des Mikroklimas.Integration in städtische BauvorhabenDie geplante Neugestaltung des Vorplatzes am benachbarten Hauptbahnhof ab Frühjahr/Sommer nächsten Jahres bietet eine strategisch eimalige Gelegenheit, das Projekt „Corso Verde – Südtiroler Platz Neu“ in ein umfassenderes städtebauliches Vorhaben zu integrieren. Stadträtin Sima hat in Zusammenhang mit den geplanten Arbeiten am Hauptbahnhof selbst betont, dass auch die Bahnhofsumfelder attraktiviert und zu angenehmeren Orten gemacht werden sollen. Wie kann es sein, dass der Stüdtiroler Platz mit den offenkundig großen sozialen Herausforderungen, die aus der Nähe zum Hauptbahnhof resultieren, in diesen Überlegungen bislang nicht berücksichtigt wurde? Über das Mitmachbudget könnten Renaturierungsmaßnahmen und die Einrichtung des wegbegleitenden Motorikangebots finanziert werden, wodurch gleichzeitig die lokale Bevölkerung aktiv eingebunden und zur Mitgestaltung motiviert wird.Kostenintensivere Maßnahmen, wie etwa die Wasserelemente, könnten im Rahmen der parallelen Bauarbeiten am Vorplatz des Hauptbahnhofs von der Stadt Wien umgesetzt werden. Dies ermöglicht Synergien zwischen Projekten und spart der Stadt langfristig Kosten, da Infrastruktur und Baupersonal koordiniert eingesetzt werden können.Die Integration des Projektes in das Bauvorhaben am Hauptbahnhof bietet der Stadt Wien die einmalige Chance, dem Südtiroler Platz gemeinsam mit dem 4. Bezirk und den Anrainer:innen endlich ein neues Image zu geben und zu einem attraktiveren Eingangstor der Stadt weiterzuentwickeln. So entsteht ein Mehrwert, der nicht nur der Wieden, sondern der gesamten Stadt Wien zugutekommt.